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Kinder und Jugendliche: Posttraumatische Belastungsstörungen

Posttraumatische Belastungsstörungen bei Kindern erkennen

 

Lange Zeit dachte man, dass Kinder von traumatischen Lebensereignis- sen weniger betroffen sind als Er-

wachsene. Es wurde angenommen, dass Kinder leichter vergessen und daher be- sonders Traumata in der frühen und mitt- leren Kindheit ohne psychopathologische Folgen bleiben. Heute weiß man, dass dem nicht so ist. Im Gegenteil, es zeigt sich, dass die Folgen von Traumata (Unfälle, Trennungen, Scheidungen, Tod, Missbrauch, Gewalt) möglicherweise stärker sind, je jünger der Mensch ist.

 

Traumatisierungen können bei Kinder, wie bei Erwachsenen, schwerwiegende Kurz- und Langzeitfolgen nach sich ziehen. Die wichtigsten Merkmale gleichen denen, die auch bei Erwachsenen bei der Posttraumatischen Belastungsstörung auftreten, jedoch sollte beachtet werden, dass Kinder mit den ihrem Erntwicklungsstand zugehörigen Verhaltensweisen reagieren.

So werden bei Kinder vier Merkmale unterschieden:


1. Wiederkehrende, sich aufdrängende Erinnerungen
2. Sich ständig wiederholende Verhaltensweisen. Im "traumatischen Spiel" wiederholen Kinder beständig das traumatische Ereignis. Die Kinder haben oft kein Bewusstsein von dem Zusammenhang zwischen Spiel und Ereignis.
3. Ängste. Diese richten sich auf die traumatische Situation und tauchen immer wieder auf, wenn etwas an das Trauma erinnert.
4. Veränderte Einstellung zu Menschen, zum Leben und zur Zukunft. Verlust des Vertrauens und negative Erwartungen an das Leben.

 

Natürlich reagiert jedes Kind auf seine ihm eigene Weise, manche Kinder ziehen sich zurück, wirken deprimiert, andere werden sehr unruhig, beinahe "hyperaktiv". Viele Kinder zeigen Verhaltensweisen einer früheren Entwicklungsstufe, sie regredieren und verlieren dabei unter Umständen bereits erworbene Fähigkeiten (z.B. Sauberkeit). Andere Kinder tyrannisieren ihre Umgebung, sie wollen alles unter ihre Kontrolle bringen, nachdem sie während des traumatischen Ereignisses einen starken Kontrollverlust erleben mussten.

 

Bei Kindern und Jugendlichen wird insbesondere von dem Gefühl berichtet, eine eingeschränkte Zukunft vor sich zu haben. So glauben sie häufig, nicht erwachsen oder alt zu werden und von einer glücklichen Zukunft ausgeschlossen zu sein.


Sind Kinder jahrelangen Mißhandlungen oder Mißbrauch ausgesetzt, so kann sich dies nicht nur in einer PTBS-Symptomatik zeigen. Solche Traumatisierungen können ebenfalls Persönlichkeitsstörungen, Anststörungen, Depressionen etc. hervorrufen. Sie greifen zumeist die persönliche Integrität und psychische Gesundheit eines Kindes mehr an, als ein einmaliges Ereignis. 

Das Symptommuster beinhaltet:


1. Eine feindliche und mißtrauische Haltung der Welt gegenüber
2. Sozialer Rückzug
3. Gefühle der Leere und Hoffnungslosigkeit
4. Ein chronisches Gefühl von Nervosität wie bei ständigem Bedrohtsein
5. Entfremdung


Wie sollte man mit traumatisierten Kindern umgehen ?


Genauso wie im Umgang mit traumatisierten Erwachsenen muss auch das Kind mit all seinen Gefühlen akzeptiert werden. Auch das traumatische Spiel sollte nicht unterbrochen werden. Darin bearbeitet das Kind auf seine eigene Art die traumatischen Erlebnisse. Hinzu kommt, dass das Kind sich sicher und geborgen fühlt. In dieser Atmosphäre kann es weinen oder wütend sein. Es soll darin psychotherapeutisch unterstützt werden, die eigenen Gefühlszustände wahrzunehmen und auszudrücken. Geschieht dies nicht, sondern ist das Kind dazu gezwungen, seine Reaktionen zu verbergen, so ist die Gefahr gegeben, dass das Kind Gedanken und Gefühle nicht mehr integrieren kann und die emotionalen Zustände und Erinnerungen, insbesondere diejenigen, die mit dem Trauma in Zusammenhang stehen, abspaltet.

Zieht sich das Kind extrem in sich zurück, so kann vorsichtig versucht werden, mit ihm über das Erlebte zu sprechen, oder dies in Form eines Bildes auszudrücken.

In der Psychotherapie kommen hierbei folgende Verfahren zum Einsatz: 

 

  • Psychoedukation (Vermittlung von allgemeinen Informationen zu möglichen Reaktionen auf traumatische Ereignisse)
  • Stressmanagement (z. B. Erlernen von Entspannungs- und Atemtechniken)
  • Exposition (Konfrontation mit traumaspezifischen Erinnerungen und Situationen, die aufgrund des hohen aversiven Charakters vermieden werden)
  • Kognitive Therapie (Identifikation und Modifikation von nicht hilfreichen Gedanken und Gefühlen)