DBT - Dialektisch Behaviorale Therapie / "Borderline" & die mentalisierungsbasierte Therapie ( MBT )

Bei der Borderline-Störung handelt es sich um eine Persönlichkeitsstörung, die durch Impulsivität und Instabilität von Emotionen und Stimmung, der Identität sowie zwischenmenschlichen Beziehungen charakterisiert ist. Es handelt sich um ein schwerwiegendes psychiatrisches Krankheitsbild, das auch als emotional instabile Persönlichkeitsstörung des Borderline-Typs bezeichnet wird.

Betroffene erleben sich als Opfer ihrer eigenen heftigen Stimmungs- und Gefühlsschwankungen, was zu extremer innerlicher Anspannung führen kann, die dann als unerträglich und peinigend erlebt wird. Viele setzen selbstschädigende Verhaltensweisen ein, um diese Anspannung zu verringern. Vor allem Schmerz spüren viele während der extremen Spannungsphasen kaum oder nur sehr wenig. Selbstverletzungen, Drogeneinnahmen und hoch riskante Aktivitäten lindern die Anspannung sofort, werden dadurch jedoch rasch zu suchtartigem Problemverhalten. Menschen, die an einer Borderline-Persönlichkeitsstörung leiden, fühlen sich innerlich zerrissen, haben ein gestörtes Selbstbild und eine gestörte Körperwahrnehmung. Sie leiden unter massiven Ängsten vor dem Alleinsein und instabilen Beziehungen.


Die Bezeichnung Borderline-Persönlichkeitsstörungen (borderline: "Grenzlinie) hat ihren Ursprung daher, weil man Betroffene nach psychoanalytischem Verständnis in eine Art Übergangsbereich von neurotischen und psychotischen Störungen ansiedelte, da Symptome aus beiden Bereichen identifiziert wurden. Nach dem Klassifikationssystem der Weltgesundheitsorganisation (WHO), gilt die Borderline-Persönlichkeitsstörung heute als eine Unterform der emotional instabilen Persönlichkeitsstörung. Die Störung tritt häufig zusammen mit anderen Persönlichkeitsstörungen auf (Komorbidität).

 

Das Wissen über das Erkrankungsbild ist in den letzten Jahren erheblich gewachsen. So gilt als gesichert, dass ein Zusammenspiel zwischen genetischen Faktoren und in vielen Fällen frühen traumatischen Erfahrungen für die Entstehung der Borderline-Störung verantwortlich ist. Über die Hälfte der Betroffenen berichtet von schwerwiegendem Missbrauch, über 60% von emotionaler Vernachlässigung, fast alle aber über ein soziales Umfeld, in welchem sie sich in hohem Maße als fremd, gefährdet und gedemütigt erlebt haben.

 

HILFE DURCH DIE DIALEKTISCH-BEHAVIORALE THERAPIE (DBT):

 

Die Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT) hat sich speziell zur Behandlung der Borderline-Störung bewährt. Die DBT ist eine von der amerikanischen Psychologin Marsha M. Linehan in den 1980er Jahren entwickelte Psychotherapieform. Die DBT basiert auf der kognitiven Verhaltenstherapie.

 

Besondere Rolle bei der Behandlung von BPS-Patienten kommt der therapeutischen Beziehung zu, da diese Patienten mehr als andere zu voreiligen Therapieabbrüchen, schwierigem Agieren, extremen Negativismus usw. neigen, insbesondere durch ihre diversen Probleme im emotionalen und zwischenmenschlichen Bereich und entsprechendem Mangel an geeigneten Bewältigungsformen. Zwischen den Patienten und Therapeut wird ein sog. „Commitment“ (dt: Verpflichtung bzw. Verpflichtungserklärung) geschlossen. Die Patienten verpflichten sich zur Mitarbeit und Einhaltung von Regeln und Abmachungen, der Therapeut verpflichtet sich zur bestmöglichen Hilfestellung. Das Commitment wird regelmäßig während der Therapie geprüft und ggf. erneuert oder modifiziert (erweitert).

 

Die Patienten erlernen einen anderen Umgang mit ihren Gefühlen, sie erleben Selbstachtung und Achtung gegenüber anderen durch spezielles Achtsamkeitstraining.

 

Die Patienten führen eine Tagebuchkarte, in die suizidale Gedanken, Spannungszustände, Drogenkonsum, weitere dysfunktionale Verhaltensweisen, aber auch Skillsanwendung und positive Tagesereignisse einzutragen sind. Durch Verhaltensanalysen sollen die Betroffenen Einsicht in den Spannungsaufbau erhalten und lernen, das im Fertigkeitentraining Gelernte in Handlungspläne einzubauen. Nach selbstverletzendem Verhalten oder Suizidversuchen werden die Patienten gebeten, solche Analysen selbst anzufertigen.

 

Voraussetzung für die eventuelle Bearbeitung eines Traumas in einem zweiten Therapieabschnitt ist, dass die Patienten gelernt haben, emotionale Krisen, Spannungszustände und Dissoziationen selbst durch die gelernten Fertigkeiten zu regulieren. Die Traumabearbeitung erfolgt durch Techniken aus der kognitiven Verhaltenstherapie und durch Expositionsstrategien.

 

 

DIE MENTALISIERUNGSBASIERTE THERAPIE (MBT)

 

Die mentalisierungsbasierte Psychotherapie wurde vom englischen Psychiater und Psychoanalytiker Anthony W. Bateman und einem englischen Psychologen und Psychoanalytiker, Peter Fonagy, zur Behandlung von Borderline-Patienten entwickelt.

Diese Therapieform basiert auf dem Modell der sog. Mentalisierung, das von Peter Fonagy und der Psychologin und Psychoanalytikerin Mary Target entwickelt wurde.

 

Ziel dieser Therapieform ist es, daß der Erkrankte die Gedanken und Wünsche sowie die Überzeugungen seiner Mitmenschen als auch seiner eigenen besser verstehen lernt.

Dieses Verstehen wird Mentalisierung genannt, also das Erkennen, daß Gedanken die Grundlagen und Auslöser für Handlungen sind. Besonders die Selbsterkenntnis der eigenen Gedanken, also die Selbstreflexion, soll so gesteigert werden.

Auf "natürliche" Weise entsteht ein Gefühl für das eigene Ich durch eine gefühlsmäßige Bindung zu den primären Bezugspersonen, also normalerweise den Eltern. Diese Bindung und der Umgang miteinander ist die Voraussetzung für die Entwicklung sozialer Kontakte sowie das Nachdenken über sich selbst und die Entwicklung einer gewissen Feinfühligkeit anderer gegenüber.

 

Ähnlich funktioniert die Therapie: Wenn der Betroffene merkt, daß sich andere Menschen mit ihm beschäftigen, beginnt er, darüber nachzudenken, was die anderen wohl denken bzw. wie sie ihn einschätzen. Er reflektiert also sich und sein Verhalten, nimmt auch die Position anderer ein und erkennt dadurch die Sicht- und Denkweise der anderen.
Eine "gesunde" Mentalisierungsfähigkeit ermöglicht u.a.:

 

Die Erkennung der eigenen Gefühle in schwierigen Situationen sowie die Benennung derer. Zudem kann man erkennen, wodurch diese Gefühle ausgelöst wurden.

 

Zu erkennen bzw. zu erahnen, was in unseren Mitmenschen vorgeht, und gleichzeitig zu wissen, daß man sich dabei auch irren kann.

 

Zu wissen, daß jeder Mensch die gleiche Situation unterschiedlich erleben kann.

Mit Konflikten umzugehen und diese auch lösen zu können.

 

Eigene Vorstellungen und Wünsche erfolgreich vorzubringen, weil man die Lage, Situation und die Mitmenschen einschätzen kann.

 

Eine Beziehung zu einem anderen Menschen eingehen zu können und diesem auch seine eigenen Fehler und "Unvollkommenheiten" zuzugestehen.

 

Die Angst vor dem Verlassenwerden auszuhalten

 

Sich selbst als etwas Wert zu fühlen, eine eigene gesunde Identität zu entwickeln.


Am besten entwickelt man diese Fähigkeiten natürlich mit einem geeigneten Gegenüber, mit jemandem, dem man vertrauen kann und vor dem man sich nicht schämt bzw. dem man nicht etwas vorspielt.

Die mentalisierungsbasierte Psychotherapie wurde für die Behandlung von Borderlinern entwickelt. Sie wird sowohl als Einzeltherapie als auch als Gruppentherapie durchgeführt. Zudem kann die Therapie stationär als auch teilstationär durchgeführt werden.