Psychotherapie bei schweren Krankheiten

Psychotherapie ist bei seelischen Belastungen mehr als Beratung

Im Verlauf schwerer, langwieriger oder chronischer Erkrankungen (z.B. Krebs) und den damit einhergehenden Auswirkungen auf das körperliche, psychische und soziale Leben der Patienten wird ein angemessener Umgang mit der Erkrankung und ihren Folgen – die Krankheitsbewältigung – entscheidend für die Lebensqualität.

 

Eine Psychotherapie geht über reine "Beratung" hinaus. Die Unterstützung ist in der Regel längerfristig angelegt. Sie erfolgt auf der Grundlage regelmäßiger Gespräche. Bei vielen Krebspatienten beispielsweise ist der Übergang zwischen einfacheren Hilfestellungen und psychotherapeutischer Behandlung fließend. Manche Betroffene oder Angehörige sind jedoch so belastet, dass sie zumindest zeitweilig mehr Unterstützung benötigen, als zum Beispiel eine Beratungsstelle bieten kann. Psychotherapeuten können helfen, wenn die Erkrankung tatsächlich in eine Depression oder eine andere ernsthaftere psychische Störung hineinführt. Sie unterstützen auch, wenn die Situation alte, längst überwunden geglaubte Probleme wieder an die Oberfläche bringt.

 

Patienten und Angehörige, die einer solchen professionellen Unterstützung skeptisch gegenüberstehen, sollten bedenken: In Phasen, die von großer Niedergeschlagenheit oder starken Ängsten geprägt sind, können sich Betroffene nicht "einfach mal zusammenreißen". Eine Psychotherapie kann für den ein oder anderen in dieser Situation Erleichterung verschaffen. Denn Eine schwere, lebensbedrohliche Erkrankung stellt eine Ausnahmesituation dar. Sie stellt Betroffene und Angehörige vor große Anforderungen. Wer feststellt, dass er Unterstützung braucht, ist nicht "verrückt". Im Gegenteil: Er handelt sich selbst gegenüber verantwortungsvoll. Ziel einer Unterstützung ist vor allem der längerfristige Gewinn an Lebensqualität.