Kinder und Jugendliche: Störungen des Sozialverhaltens

Störungen des Sozialverhaltens und Depressionen hängen oft zusammen

Störung des Sozialverhaltens ist nicht ein Verhalten, das Eltern, Erzieher oder Lehrer oder auch Gleichaltrige stört, sondern ein Verhalten, das für den Betreffenden selbst zum Entwicklungsrisiko bzw. sogar zum Entwicklungshindernis wird.


Heute geht man davon aus, dass mindestens 15 % aller Kinder im Laufe ihrer Entwicklung Verhaltensstörungen ausbilden, also nicht nur vorübergehende auffällige Verhaltensweisen, sondern eine Symptomatik mit Krankheitswertigkeit.

 

Jungen zeigen dabei im allgemeinen ausagierende, aggressive Verhaltensweisen (so genannte externalisierende Störungen), während Mädchen vor allem nicht aggressive Erscheinungsformen dissozialer Verhaltensweisen an den Tag legen.


Häufig finden wir eine sogenannte Komorbidität bestimmter Störungen. Wir finden also weitere Störungen, die mit der Störung des Sozialverhaltens vergesellschaftet sind, wie z. B. Angststörungen, Depressionen.


Es ist wichtig, die Störungen des Sozialverhaltens vor dem Hintergrund des Entwicklungsgeschehens zu sehen, das ja beim Kind und Jugendlichen noch besonders rasch von statten geht und eine große individuelle Spielbreite aufweist.


Es werden 4 Kategoriengruppen unterschieden:

 

  • aggressives Verhalten gegenüber Menschen und Tieren,
  • Zerstörung von Eigentum,
  • Diebstahl und Betrug,
  • schwere Regelverstöße.

 

Es werden zwei Untergruppen unterschieden, einmal der Typ mit Beginn in der Kindheit, bei dem die ersten charakteristischen Verhaltensweisen bereits vor dem 10. Lebensjahr auftreten und der Typ mit Beginn in der Adoleszenz, bei dem erst nach dem 10. Lebensjahr die ersten charakteristischen Verhaltensweisen auftreten und bei dem es häufiger zu Rückbildungen bis hin zum Erwachsenenalter kommt, während der erste Typ sich meist im Erwachsenenalter als eine so genannte Antisoziale Persönlichkeitsstörung ausprägt.

 

Die Diagnostik von Störungen des Sozialverhaltens ist nicht einfach und muss neben der gründlichen Untersuchung der kindlichen Persönlichkeit, ihrem Leistungs- und Sozialverhalten in verschiedenen sozialen Settings auch die Diagnostik des familiären und institutionellen (Kindergarten, Schule) Umfeldes mit einbeziehen.


Die Therapie besteht meist aus unterschiedlichen Bausteinen, die der Schwere des Krankheitsbildes entsprechend verabreicht werden. Im Vordergrund stehen Training des Sozialverhaltens, Elternberatung und Elterntraining, Training des Sozialverhaltens des Patienten, unterstützt durch komplementäre Therapien und gegebenenfalls Pharmakotherapie.