Substanzmissbrauch und Süchte therapieren

Sucht: Das erlernte Muster durchbrechen

Bei Substanz-Missbrauch bzw. Süchten ganz allgemein (also nicht nur auf Substanzen/Drogen bezogen, sondern etwa auch Glücksspiel-, Porno-Sucht etc.), ist die Verhaltenstherapie ein probates und geeignetes Verfahren: Verhaltenstherapie hat nachweisbar Auswirkungen auf das Belohnungszentrum. Das Belohnungszentrum im Gehirn ist verantwortlich dafür, dass Süchtige immer wieder zur Zigarette, Nikotin, Alkohol oder anderen Drogen greifen, bzw. andere, nicht-stoffliche Süchte (etwa Glücksspiel) nicht kontrollieren können.

 

Grundlage der Kognitiven Therapie (als ein Bestandteil der Verhaltenstherapie) ist die Erkenntnis, dass bestimmte immer wieder auftretende Gedanken und Überzeugungen (Schemata) wie ein immer wieder auftretendes Muster unser Verhalten im Alltag prägen. Bei psychischen Störungen lassen sich somit auch sehr typische Gedanken und Einstellungen erkennen und zusammen mit einem Therapeuten schrittweise verändern.

 

Hierbei handelt es sich häufig um Gedanken, die die Abhängigkeit aufrechterhalten oder sogar noch verstärken und die Betroffenen davon abhalten, eine Änderung in ihrem Verhalten und Leben wirklich in Angriff zu nehmen.

 

Typisch ist dabei, dass man zunächst davon überzeugt ist, dass diese Gedanken allgemeingültig und zutreffend sind. Sie werden aber nicht (mehr) auf ihren wirklichen Wahrheitsgehalt und konkrete Berechtigung im Einzelfall überprüft, sondern automatisch als richtig angesehen.


Beispiele dieser Gedanken sind:

  • Meine Abhängigkeit ist stärker als ich; Ich habe keine Kontrolle über meine Sucht
  • Leute denken, daß ich ein Versager bin, weil ich abhängig bin
  • Ich finde keine neuen Freunde, wenn ich mein Suchtverhalten ändere.
  • Ich bin halt einfach eine schwache Person.

Im Verlauf der Therapie werden diese Gedanken zunächst identifiziert und auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft. Dann werden nach und nach sinnvollere (konstruktive) und positivere Gedanken aufgebaut. Wenn der Patient zum Beispiel das Gefühl hat, keine Macht über seine Sucht zu haben, wird dieser Gedanke in den Therapiesitzungen identifiziert und überprüft. Hierbei ist es wichtig, diesen Gedanken durch positivere zu ersetzen und den Abhängigen davon zu überzeugen, dass er seine Sucht kontrollieren kann und nicht abhängig sein muss. Diese neuen, positiven Gedanken werden dann nach und nach das Verhalten bestimmen und die Gefühle, die zu der Sucht geführt haben, ersetzen.

 

Beispiele für entsprechende positive Gedanken wären:

 

  • Ich weiss nicht, ob meine Abhängigkeit stärker als ich ist. Ich kann dies nur herausfinden, wenn ich mich voll und ganz auf eine Therapie einlasse.
  • Ich weiss nicht, was die Leute so über mich denken. Ich weiss für mich selbst, dass ich kein kompletter Versager bin und durchaus auch Stärken habe. Die Sucht ist nur ein Teil von mir.
  • Ich kann durchaus neue Kontakte und Freunde machen. Ich muss mir dafür nur ausreichend Zeit und Gelegenheiten geben.
  • Ich arbeite an meiner Abhängikeitsproblematik und versuche, mein Leben wieder selber in den Griff zu bekommen. Schon allein deshalb bin ich kein Versager sondern stelle mich einer Herausforderung.

Diese neuen Gedanken werden nicht innerhalb eines Tages entwickelt und umgesetzt. Es dauert längere Zeit bis man diese Gedanken in seine Überzeugungen, Handeln und Verhalten umgesetzt hat.