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Zwänge und Zwangsstörung

Zwänge - Therapie: Eigene Denkmuster erkennen

Menschen mit einer Zwangsstörung haben den Drang, immer wieder denselben Gedanken nachzuhängen oder Dinge zu tun, die sie als sinnlos empfinden und gar nicht tun möchten. Manche waschen sich aus Angst vor Keimen dauernd die Hände. Andere kontrollieren immer wieder, ob sie den Herd auch wirklich ausgeschaltet haben. Wieder andere können nicht aufhören, ständig bis 20 zu zählen.

Solche zwanghaften Gedanken und Verhaltensweisen mögen übertrieben oder eigenartig wirken. Menschen mit einer Zwangsstörung helfen sie aber, für kurze Zeit ruhiger zu werden. Sie selbst empfinden ihr Verhalten fast immer als problematisch, schaffen es aber nicht allein, ihre Zwänge dauerhaft loszuwerden. Beim Versuch, sie zu unterdrücken, werden sie angespannt oder bekommen Angst. Die Zwänge nehmen sozusagen "Besitz" von der Person.

 

Zwangsstörungen werden vor allem mit einer kognitiven Verhaltenstherapie (KVT) behandelt. 

Bei einer kognitiven Therapie geht es darum, die eigenen Denkmuster zu erkennen und zu hinterfragen. Das Ziel ist, Gedanken aufzuspüren, die dem zwanghaften Handeln zugrunde liegen, und diese anschließend zu verändern. Dabei setzt man sich mit Fragen auseinander wie: Was nützt es mir, wenn ich zehnmal nachschaue, ob die Tür abgeschlossen ist? Können mich meine Handlungen tatsächlich vor etwas schützen?

Eine bei Zwangsstörungen wichtige Technik der Verhaltenstherapie ist die "Reizkonfrontation mit Reaktionsverhinderung": Hierbei wird man nach und nach mit den Auslösern seines zwanghaften Verhaltens konfrontiert (Reizkonfrontation). Wenn eine Frau zum Beispiel einen Waschzwang hat, kann sie von ihrem Therapeuten gebeten werden, etwas anzufassen, was sie als schmutzig empfindet. Anschließend versucht sie, sich nicht wie sonst sofort die Hände zu waschen (Reaktionsverhinderung). Durch die Konfrontation lernt sie mit der Zeit, dass Angst und Unruhe auch verschwinden, wenn sie ihre Zwangshandlung sein lässt.

 

Dabei ist die therapeutische Begleitung sehr wichtig, vor allem zu Beginn der Behandlung oder wenn der Schwierigkeitsgrad der Übungen zunimmt.

 

Die kognitive Verhaltenstherapie wurde in einer Reihe von Studien mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit Zwangsstörungen untersucht. Dabei zeigte sich, dass die Behandlung sehr wirksam ist: Sie kann helfen, Zwänge in den Griff zu bekommen, Ängste abzubauen und den Alltag wieder besser zu bewältigen.

Eine kognitive Verhaltenstherapie erfordert viel eigenes Engagement und Geduld: Es kann eine Weile dauern, bis es gelingt, die Zwänge zu kontrollieren. Sich seinen Zwängen und Ängsten zu stellen, erfordert zudem Mut. Die Therapie kann gerade am Anfang belastend sein. Viele Betroffene berichten aber, dass sich die Mühe gelohnt hat, weil sie nach der Behandlung besser mit der Erkrankung zurechtgekommen sind.